25. März

Ich wache wieder um acht Uhr Floridazeit auf. Der Jetlag hat sich nur unwesentlich bemerkbar gemacht. Wieder ein blauer Himmel, die Sonne scheint. Stille auf den Straßen. Kein Mensch zu sehen. Nur ab und zu fährt ein Auto vorbei. Heute gehe ich sofort zum Pool, wo ich ganz alleine eine halbe Stunde schwimme. Walther war nicht zum Schwimmen, weil seine inzwischen offensichtlich florierende Bronchitis ihm doch ein wenig Angst macht.

Vom Schwimmen und der anschließenden Dusche frisch gestärkt eile ich zum Frühstück. Walther hat sich dessen Vorbereitung trotz seines maladen Zustandes nicht nehmen lassen. Heute bekomme ich sogar ein weiches Ei und kann den von mir gekauften Kaffee, die Milch und den Käse genießen. Walther erklärt mir, er hoffe, mich aus meiner ihm zu ernsten Reserve locken zu können. Na, mit seinen angestaubten Sprüchen schafft er es sicher nicht. Aber das behalte ich für mich, verbiete mir, meine Mäkeligkeit offen zu zeigen. Walther erklärt, dass ich nur den richtigen Mann bräuchte, um nicht so zugeknöpft zu sein. Na, sein Wort in Gottes Ohr. Der scheint aber kein Erbarmen mit mir zu haben.

Ich rufe meine Tochter Barbara in Deutschland an, Walther bleibt während des Gesprächs beständig in meiner Nähe. Auch als ich mit seiner Erlaubnis eine Mail an meinen Cousin in Arizona absetze, bleibt er standhaft kontrollierend in meinem Rücken stehen. Wenn dass kein Vertrauen und lockere Intimität schafft …

Walther packt wieder kleine Kartons für seinen Umzug.

 Weg zum Pool

Weg zur Swimmingpool-Anlage in der Pine Wood Residence

Ich bitte um Freistellung für einen Tag am Swimmingpool.  Jetzt sind am Pool bereits einige Leute. Meist ältere Männer und Frauen, einige Kinder toben gedämpft im Wasser des Pools. Die Alten verfügen alle über einen beträchtlichen Leibesumfang. Die jüngeren Frauen sind in züchtige Badeanzüge gehüllt.

Nur einige junge Mädchen tragen Tankinis, die hier offensichtlich in sind. Keine Frau hat Haare an den Beinen oder zeigt Achselhaare. Auch die Männer scheinen die auffälligen Brust- und Beinhaare entfernt zu haben. Die Gespräche drehen sich, soweit ich es verstehe, um Maniküre, Fußpflege und Essen. Kein Kindergeschrei. Abfall wird sofort weggeräumt. Alles wirkt höflich und umgänglich. Gegen 12 Uhr holt mich Walther zum Mittagessen. Oh, das ist aber schön. Auf dem Nachhauseweg muntert Walther «sein kleines Mäuschen» mit dem Spruch Du kannst alles machen, nur nicht frech werden auf. Auch diesen Spruch habe ich von ihm inzwischen bereits unzählige Mal gehört.

Am Abend will Walther mir den Sonnenuntergang am Golf zeigen. Wir fahren zu einer Landzunge an der Sarasota Bay.

Hinter einer der dem Festland vorgelagerten Inseln geht die Sonne mit gelbem Strahlen langsam unter. Das den Untergang bewundernde Publikum sitzt auf Plastikstühlen, isst aus Pappbehältnissen texanische Speisen, trinkt aus Pappbechern amerikanisches oder mexikanisches Bier. Das kauft man an einer Art Frittenbude, die mit grob gemalten Nixen, aufgeklebten Muscheln und Fischernetzen geschmückt ist. Es ist voll auf der kleinen Halbinsel. Langgestreckte, 6türige Chrysler- Limousinen und schäbige Trucks, große und mittelgroße Limousinen stehen auf dem Parkplatz. Zwei dicke und mit diversen Firlefanzereien ausgestattete Harleys röhren auf. Zwei Easy Rider à la Dennis Hopper und Peter Fonda steigen ab und gesellen sich zum Publikum. Haben die Protagonisten aus «Easy Rider» es nun doch bis Florida geschafft? Das Publikum ist ebenso gemischt wie die Ausstattung des Parkplatzes: feine Touristen aus Europa, besonders fein gekleidete Deutsche, offensichtlich Zweitimmobilienbesitzer, Männer mit Cowboyhüten, dicken Gürtelschnallen, ansonsten das im landestypischem Freizeitoutfit gekleidete amerikanische Publikum. Als die Sonne untergegangen ist, drängt Walther nach Hause. Er ist sehr zufrieden mit mir, weil ich den Sonnenuntergang hinter den Baumwipfeln des Key Indian, einer der vielen Nehrungsinseln an der Golfküste fleißig fotografiert habe. Er legt beim Abgang zum Parkplatz sogar demonstrativ seine Hand auf meine – seinem Häschen, Mäuschen, Röschen – Schulter.

Doch nun müssen wir unbedingt  ein Abendbrot zu Hause einzunehmen. Mich graut es schon davor.  Mein Vorschlag, doch in Sarasota in ein Restaurant essen zu gehen, wird abgelehnt, weil abends die Bürgersteige hochgeklappt sind. Ich staune über diese Mitteilung, passt es doch gar nicht in mein Bild von einer Universtäts- und Urlaubsstadt, wie es Sarasota ist. Aber warum soll ich Walther widersprechen, er weiß doch alles besser. Und außerdem: Wenn ich frech werde, legt er mich übers Knie.

 sarasotaSonnenuntergang an der Sarasota Bay

An diesen sexistischen Dummsinn habe ich mich fast schon gewöhnt und sage nichts dazu. Schließlich ist er mein Gastgeber, und ich muss dankbar sein, dass er mich nach Sarasota eingeladen hat.

 

14. April

Heute ist es sehr heiß, über 34 ° C. Zum Frühstück sind wir drei Frauen bei Jean eingeladen. Jean wohnt in einer Residence, die von Ehlings Haus nicht sehr weit entfernt ist – immer gemessen an der Zeit, die man mit dem Auto benötigt. Jeans Mann ist Tierarzt, sie hat zwei Kinder, die jetzt in L.A. und in Grönland leben, groß gezogen und ist jetzt als Malerin tätig.

Das Haus, in das uns Jean eingeladen hat, ist im Santa Fe-Stil erbaut. Mit den ortsüblichen Terrazzo- Fußböden. Für deutsche Verhältnisse ist das Haus ungewöhnlich geräumig.

An den Wänden Bilder und Katchinas, indianische Hausgötter auf der Kaminablage.

Der Garten hat natürlich einen Swimmingpool und den bereits bei Ehlings bewunderten Mix aus einheimischen und europäischen Pflanzen. Wir essen eine von der Hausfrau gefertigte, leider etwas fad gewürzte Hash Brown Pie und üppigen Obstsalat mit dem herrlichen Lemmondressing.

Katchian- indianischer Hausgott und bemalte Ku¦êrbisse

 Katchina (indianischer Hausgott) und bemalte Kürbisse

 Anschließend treffen wir uns mit Jürgen und Gudrun aus Deutschland, die uns stolz ihr vor etwa 15 Jahren für 75.000 Dollar erworbenes Grundstück von ca. 4.000 qm zeigen, das sie demnächst mit einem Haus bebauen wollen, in dem sie dann in Arizona zu leben gedenken. Na, da kommt auch bei mir das Begehren auf, hier zu leben. Aber diesen Gedanken muss ich schnell verscheuchen. Das ist ganz und gar unrealistisch. Eine alleinstehende, fremde und nicht so gut betuchte Frau hat hier kein sonderlich unkompliziertes Leben. Dennoch, Arizona in seiner sonnigen Dramatik und kulturellen Offenheit, so wie sie mir hier begegnet, ist schon ein tolles Land.

Dann geht’s in die Tonton Bar und Grill in Cave Creek, ein Grillrestaurant direkt an der Rancho Manana mit großem Golfplatz gelegen. Hier gibt es Fine Steaks and Seafood. Die Hamburger sehen riesig aus, ich esse lieber einen Romaine Salad in Roquefort-Dressing mit Mandeln und Apfelsinen dekoriert und trinke den allgegenwärtigen und sehr leckeren Eistee, der unentgeltlich nach Bedarf immer wieder nachgefüllt wird.

Später gehe ich schwimmen bei einer Wassertemperatur von 20 ° C, arschkalt nach meinem gegenwärtigen Temperaturgefühl. Aber ich halte viele Runden durch.

 

 Swimmingpool in Carefree _ Arizona

Ehlings Swimmingpool

 21. April

Heute Morgen suche ich ein meinem europäischen Geschmack entsprechendes Lokal zum Frühstücken. Ich habe keine Lust, wie am vergangenen Tag, auf Plastik zu sitzen und aus Plastik zu essen und zu trinken. Tatsächlich hat sich die Mühe gelohnt. Ich stoße auf Gran Caffè Italiano Crestanello gegenüber der N.Y. Public Library. Es gibt dunkle schöne Holzstühle und Holztische und Kaffee aus weißem Porzellan. Die Jungs am Selbstbedienungstresen sind freundlich und finden es überhaupt nicht problematisch, den Macchiato, den ich zunächst ohne latte bestellt hatte neu anzusetzen und diesmal mit dem von mir gewünschten Milchschaum aufzufüllen. Nach dem angenehmen breakfasting mache ich mich zu Fuß auf den Weg durch den Central Park zum Guggenheim. An meinem Weg liegt Grand Central Terminal bzw. Station, die wie so vieles in N.Y. überwältigend ist in seiner Funktionalität und Größe. Natürlich muss ich zu Bloomingdale’s und die 5th Avenue mit ihren unzähligen Designerboutiquen entlang gehen. Unterwegs hält mich eine junge Asiatin an und fragt mich nach dem Empire State Building. Na, das geht mir ja runter. Sehe ich schon wie eine New Yorkerin aus? Bei Banana Republic in der Lexington kaufe ich mir zwei Shirts, da meine in Florida vergessenen nie angekommen sind. Bei Armani probiere ich Sonnenbrillen, bei Ethro bewundere ich die besonders geschmackvolle Einrichtung und lasse mir die neuesten Düfte vorführen. Im Trump Tower mit achtundsechzig Stockwerken bin ich von den goldenen Rolltreppen, goldenen Türbögen und Schaukästen, dem aus der fünften Etage herabrauschenden Wasserfall geblendet. Man kann hier inmitten von Bäumen, als wäre man in einem Park sitzen und essen und trinken.

Bei Tiffany’s werde ich über den Kauf eines Diamantohrsteckers, der 10.000 $ kostet und den ich sehr apart finde, sehr freundlich beraten.

Dann geht’s in den Central Park. Wow !!! Das ist auf seine Art mit einer Fläche von 340 ha eine grandiose Oase von Ruhe und Natur, geschaffen mitten im busy Manhattan. Neben der Möglichkeit, sich mit Laufen oder Wandern durch die verschiedenen Landschaftsgebiete des Parks zu bewegen, gibt es die Möglichkeit, Boot zu fahren, Ball zu spielen, zu skaten, Schlittschuh zu laufen und sich an Theateraufführungen und anderen Events zu beteiligen.

Viele Kinderspielplätze, wie auch in den anderen kleinen Parks Manhattans, die auch benutzt werden, widerlegen die oft zitierte Kinderfeindlichkeit der Stadt. Endlich lande ich, nachdem ich das Metropolitan Museum of Art links liegen gelassen habe am Solomon R. Guggenheim Museum. Die aktuelle Ausstellung nennt sich Singular Forms und zeigt Kunst von 1951 bis heute: Von Robert Rauschenberg über Donald Judd bis hin zu Rachel Whiteread oder James Turrell mit ihren Beispielen des abstrakten Expressionismus, des Reduktionismus, des Minimalismus und des Dekonstruktivismus. Den Sinn der vielfältigen Installationen kann ich nicht so richtig verstehen, aber die Ästhetik der verschiedenen Materialarrangements in diesem lichten, auf den Kopf gestellten Schneckenhaus beeindrucken mich.

Auf dem Rückweg nehme ich einen der vielen Busse, die nicht nur, wie mein Reiseführer behauptet, die vertikale Verbindung in Manhattan herstellen sondern auch, ähnlich der Metro vom Norden in den Süden fahren. Ich nehme den Bus MO1 nach SoHo bzw. Greenwich Village und wiederhole damit gleichzeitig einen Teil meiner gestrigen Sightseeing-Tour. Ich fahre bis zur Canal Street und bin mitten in SoHo an der Schnittstelle zu TriBeCa und laufe die Straßen mit den Galerien, Designerboutiquen, Cafés und Restaurants, mit den gusseisernen Fassaden und den grünen Ranken und Vorgärten vor den Haustüren entlang.

Ich finde ein gemütliches Café und leiste mir einen Kaffee und ein Stück Kuchen und beobachte das Publikum und den Umgang der Menschen untereinander, der mich auch hier wieder durch seine entspannte und freundlich-fröhliche Art anrührt. Ach, ist das Leben angenehm und unbeschwert, auch wenn ich, wie in den letzten Jahren leider fast immer alleine bin.

Nach längerem Wandern durch die Straßen und ab und zu auch durch die Boutiquen, komme ich zum Washington Square Park. Hier ist das typische bunte Leben besonders konzentriert. Junge Leute, wahrscheinlich viele Studenten aus der nahe gelegenen N.Y. University, Mütter mit Kleinindern, Skatboarder, Musiker, ein Schwarzer mit Strumpfhosen, Ballettschuhen und Tutu, und auf dem Kopf ein Hütchen mit Schleier. Er tanzt anmutig auf seinen Spitzenschuhen. Niemand reagiert irritiert.

An der Nordseite Seite des Washington Squares, am Waverly Place wähnt man sich urplötzlich nach Chelsea in London versetzt: rote Backsteinhäuser mit weißen Fensterrahmen, Außentreppen und Vorgärten. Sehr idyllisch. Hier nun finde ich auch das Hotel, in dem ich beim nächsten und vor allem finanziell gut gepolsterten Mal gerne wohnen würde, das Washington Square Hotel.

Am Abend gehe ich erschöpft ins Bett und schaue in die Glotze ohne noch viel mitzubekommen.

 

  REZEPTE

 

Mile-High Lemon Meringue Pie One 9-inch Pie

Cool the pie for at least 3 hours before cutting, but don’t hasten the cooling in the refrigerator or the meringue will start to melt.

1 recipe Perfect Pie Crust (page 234)

FILLING
1 1/4 cups sugar
1/2 cup flour
Pinch salt
1 1/2 cups water
5 egg yolks, beaten
2 tablespoons grated lemon peel 1/2 cup lemon juice
4 tablespoons unsalted butter

MERINGUE
8 to 12 egg whites
6 tablespoons sugar
1/2 teaspoon cream of tartar 1/2 teaspoon vanilla extract Pinch salt.

Prepare pastry according to master recipe. Divide in half and bake pastry bottom in 9-inch pie plate as directed. Refrigerate or freeze remai- ning pastry for future use.
Preheat oven to 350°.
In top of double boiler over simmering water, combine sugar, flour, salt, and water. Cook 10 minutes, or until mixture thickens.
Remove from heat and beat in egg yolks, 1 at a time. Return to heat and cook 6 to 7 minutes, stirring constantly, until thick and smooth. Add grated peel. Remove from heat; stir in lemon juice and butter.
Set aside and cool.
To make meringue, beat egg whites until fluffy. Add cream of tartar, vanilla, and salt. Continue beating; adding 1 tablespoon of sugar every mi- nute. Beat until stiff peaks are formed, 7 to 8 minutes.
Pour filling into the baked pie shell. Spoon meringue over filling. Mound in peaks, covering filling completely. Bake 15 minutes, or until peaks are golden brown.

 

 

Fruit Dressing

 

1 cup sugar
 1/2 teas.

Salt 2 Tbsp flour

Combine dry ingredients in sauce pan.

Add: 1 egg, mix into above ingredients, then add 1 cup pineapple juice of one lemon and cook until thickened.

Add: 2 Tbsp. butter and chill.
 This keeps well in the refrigerator

 

 

 

 

 

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Bewertungen

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Eine interessante und gut erzählte Geschichte über Liebe und fremde Lebenswelten in Anatolien…   - Kathrin
Ein Buch, dass man nicht weglegt, sondern in einem Zuge durchliest. Eine Reise nach Gaziantep … - Irawadi42
Marie erzählt flott, spannend und in einer modernen Alltagssprache. Am Ende wünscht man sich… - Sulab
Wer kennt schon Gaziantep? Wer weiß, wo es liegt und was ihn dort erwartet… - Gabriele70